Ein weiterer wichtiger Faktor ist die Gerbung, also die Behandlung, der die Häute zur Konservierung und Verarbeitung unterzogen werden. Es handelt sich um einen komplexen Prozess mit langer Geschichte, der für das Endergebnis entscheidend ist.
Das am häufigsten verwendete System ist die Chromgerbung, die es ermöglicht, das Leder für nahezu jeden Zweck einzusetzen. Es ist ein schneller Prozess (in der Regel innerhalb von 24 Stunden, obwohl einige Varianten länger dauern können), bei dem die Haut in dreiwertigem Chrom platziert wird. Zuvor ist jedoch eine umfangreiche Vorbehandlung erforderlich, um das Rohmaterial für diese Art der Behandlung vorzubereiten. Durch diesen Prozess wird das Material weich und geschmeidig und ermöglicht eine gleichmäßige Färbung des Leders.
Die Vegetabilgerbung hingegen ist ein weitaus traditionelleres Gerbverfahren. In großen Holztrommeln durchgeführt, basiert die Transformation des Leders auf dem langsamen Ablauf der Zeit (bis zu mehreren Dutzend Tagen). Sie hat keine schädlichen Auswirkungen auf die Umwelt und verwendet natürliche pflanzliche Tannine (komplexe Substanzen aus Pflanzen wie Kastanie, Mimosa, Eiche und anderen Quellen). Während die hochwertige Vegetabilgerbung in den meisten Regionen verschwindet, praktizieren viele erfahrene italienische Handwerker diese Technik weiterhin. Da die Tannine natürlich sind, ist jedes Lederprodukt einzigartig und die resultierenden Farben sind reich und warmtönig.
Beide Systeme haben unterschiedliche Eigenschaften und Qualitäten, die von der jeweiligen Gerberei abhängen; dennoch liefern sie möglicherweise kein sofort verwendbares Produkt, da die Haut nach Abschluss dieser Phase weiteren Verarbeitungsschritten unterzogen wird, die unter anderem Färben, Finishen, Trocknen, Imprägnieren und in einigen Fällen einen zusätzlichen Gerbzyklus umfassen können.